Donnerstag, 15. Mai 2014

Buchtipp: "Mein Jahr als biblische Frau"

Wer schon länger bei den GoodMorningGirls dabei ist, hat vielleicht schon das Sprüche-31-Studium nach dem Ebook von Courtney mitgemacht, oder vielleicht "Eine Frau nach dem Herzen Gottes" von Elisabeth George gelesen.
Mein Jahr als biblische Frau
Was die Bibel speziell uns Frauen sagt, interessiert uns  - und so war ich erst einmal sehr aufmerksam, als Amazon mir vor einigen Monaten das Buch von Rachel Held Evans "A year of biblical womanhood" vorschlug. Eine junge Frau, die ein Jahr lang versucht die biblischen Prinzipien für das Frausein herauszufinden und zu leben - das klingt interessant. Der Untertitel hat mich aber verwirrt: Frei übersetzt lautet er: "Wie sich eine emanzipierte Frau auf dem Dach sitzend wiederfindet, ihren Kopf bedeckt und ihren Mann "Meister" nennt".
Was sollte das nun heißen? Schrieb hier doch eine religöse Fanatikerin, die jedes Wort der Bibel wörtlich nehmen will oder im Gegenteil jemand, der sich über das Thema lustig machen will?
Ich habe mir daher die kostenlose Leseprobe angeschaut, und fand darin weder den einen, noch den anderen Verdacht bestätigt. So wanderte das Buch auf meine "später mal kaufen und lesen"-Liste.
Inzwischen ist es auch auf deutsch erschienen und ich habe die Gelegenheit sehr schnell genutzt und es gelesen:

Der deutsche Untertitel ist weniger verwirrend und provozierend und ich finde ihn wesentlich treffender: "Eine moderne Frau lebt nach biblischen Traditionen und entdeckt überraschend Zeitloses". 

Rachel Held Evans ist Christin mit evangelikalen Wurzeln und verheiratet. Sie wagt das Experiment, ein Jahr lang nach biblischen Grundsätzen für Frauen zu leben. Jeweils einen Monat widmet sie einem bestimmten Thema. Es geht um Sanftmut, hauswirtschaftliche Fertigkeiten, Kleidungsvorschriften - aber z. B. auch um die alttestamentlichen Vorschriften für menstruierende Frauen. Dabei versucht Rachel Held Evans möglichst viel zu den jeweiligen Bibelstellen herauszufinden. Interessant ist auch, dass es jeden Monat einige Gedanken ihres Mannes zu lesen gibt, der sie in diesem Experiment unterstützt, aber manches doch sehr befremdlich findet.

Rachels Reise durch die Bibel und durch dieses Jahr ist nicht nur sehr interessant sondern auch sehr lustig und kurzweilig. Sie schreibt mit viel Humor und sehr fesselnd - ich habe das Buch in zwei Tagen verschlungen... Manches kommt einem erstmal abstrus vor (z. B. während der Menstruation draußen im Zelt zu schlafen), manches ist einfach nur lustig, manches macht nachdenklich, vieles wird hinterfragt.

Besonders gut gefallen hat mir das Kapitel über die Sprüche-31-Frau, den dieses hat mir nochmal eine ganz neue Sichtweise eröffnet:
Von einer Mailfreundin, die orthodoxe Jüdin und Frau eines Rabbiners ist, erhält Rachel Held Evans nämlich sehr interessante Hinweise zur jüdischen Sicht auf dieses Kapitel der Bibel. Während Christinnen diese Verse doch eher als abzuarbeitende und schnell überfordernde Liste verstehen, sind es im Judentum die Männer, die diese Bibelverse auswendig lernen - und dann auch schonmal zum Lob ihrer Frau vortragen!
Dort versteht man dieses Gedicht als Ode an die Frau - nicht als To-Do-Liste! Außerdem loben und ermutigen sich jüdische Frauen damit gegenseitig. Ich zitiere hier einmal aus dem Buch und aus einer Email jener jüdischen Freundin:
"Nehmen wir als Beispiel einmal Sprüche 31. Ich werde ständig als eshet chayil (mutige/tüchtige Frau) bezeichnet. Man backt seinen Hefezopf selbst, statt ihn zu kaufen? Eshet chayil! Man ist berufstätig, um etwas Geld für die Familie dazuzuverdienen? Eshet chayil! Man macht Tiere aus Luftballons für die Kinder in der Shul? Eshet chayil! Jede Woche am Sabbattisch singt mein Mann das Sprüche-31-Gedicht für mich. Das ist etwas Besonderes. Denn ich weiß: Egal was ich tue oder eben auch nicht tue, er lobt mich für den Segen, den ich durch meine Energie und meine Kreativität in meine Familie bringe. Das kann jede Frau auf ihre ganz eigene Weise sein. Ich wette, du bist es auch."

Nochmal: Wow! Was für ein Zuspruch und was für Segen für jede Frau!
Rachel Held Evans hat dieses Wissen umgesetzt und diesen Zuspruch immer wieder an andere Frauen weitergegeben - und ich glaube für jede Leserin des Buches wird "Eshet chayil" in Zukunft eine besondere Bedeutung haben. Wie wäre es, wenn wir, statt zu vergleichen und zu beurteilen uns gegenseitig so anerkennen und segnen?

Neben diesem Kapitel war für mich der Bericht über die Reise nach Bolivien besonders interessant und bewegend, die Rachel Held Evans mit Worldvision unternehmen konnte. Denn diese Reise führte sie nach Cochabamba, wo wir seit vielen Jahren als Gemeinde und auch als Familie ein Kinderdorf und ein Patenkind unterstützen.

Insgesamt kann ich euch das Buch nur empfehlen! Es ist sehr gut zu lesen und auch als Sommerlektüre geeignet, wobei es alles andere als seicht ist. Ich habe viel gelacht aber es hat mich auch sehr nachdenklich gemacht. Ihr könnt das Buch auch über Amazon oder den Buchhandel bestellen (verlinkt habe ich Gerth Medien, die das Buch auch herausgebracht haben).

In diesem Sinne möchte ich euch allen sagen:
Eshet chayil! 
Stephanie