Donnerstag, 1. Oktober 2015

Das Gebet

In dieser Woche haben wir viel über unsere Nachfolge mit "Außenwirkung" gelesen. 

Wir Menschen streben gerne nach Anerkennung, das ist uns wichtig. Für das, was ich getan habe, möchte ich auch entsprechende Anerkennung und Lob bekommen. Unsere Leistungen werden in der Regel bewertet und dann positiv hervorgehoben. So ähnlich erleben wir es tagtäglich in unserem Alltag, Schule oder Beruf.
Doch in den Versen in Matthäus 6 werden wir eines anderen belehrt.

 Wir sollen unsere Frömmigkeit nicht zur Schau stellen, nicht mit großen Worten und Reden erzählen, wie wunderbar fromm wir sind.
Ein "einfach nur leben in der Frömmigkeit" reicht aus, dass Gott uns dafür belohnen wird. Denn Gott sieht in mein Herz, er sieht, ob es echt ist, was ich rede, was ich tue und wie ich handle oder ob ich nur mit frommen Reden Anerkennung suche.
 Genauso ist es auch mit den Gaben oder Spenden oder andere Dinge, die ich ganz praktisch tue, um zu helfen.
Da gibt Gott den Rat, dass die Linke nicht wissen woll, was die Rechte tut. Das bedeutet, dass ich damit nicht großtun muss. Es ist eine stillschweigende Tat. - Eine schwierige Aufgabe, denn es ist ja völlig entgegen des menschlichen Charakters.

Ein weiteres Thema ist das Gebet. 
Da haben wir das Beispiel des heuchelns, groß vor anderen beten und sich damit hervortun, wie toll man ist, dass man so gut beten kann.
Die Aufforderung ist:
"Du aber, (das betrifft mich persönlich) wenn du betest, so gehe in deine Kammer, und nachdem du deine Türe geschlossen hast, bete zu deinem Vater, der im Verborgenen ist." (Matthäus 6,6)
Damit ist meine persönliche Zeit im Gebet, im Gespräch mit Gott gemeint. Natürlich müssen wir nicht für das Tischgebet, zum Dank für das Essen, uns einzeln zurückziehen, das ist damit sicherlich nicht gemeint. Aber wenn ich mein ganz persönliches Gebet mit Gott habe, dann soll ich mich zurückziehen, mit Gott alleine sein. Das hat u. a. den Vorteil, dass ich dann auch nicht abgelenkt bin, sondern alleine bin mit Gott und meinem Gebet.

Im folgenden finden wir dann noch das "wie" wir beten sollen. Wir sollen nicht plappern oder nur so nachsprechen ohne nachzudenken, was wir beten, auswendig runtergerattert und oberflächlich dahergesagt.





Und das gilt eigentlich für alle Gebete, ob ich nun das Tischgebet bete oder ein anderes Gebet. Ich sollte mich immer fragen, ob ich mit dem Herzen voll dabei bin oder doch nur mehr aus Gewohnheit die Texte herunter"leiere".

Als letzten Punkt zum Gebet finden wir dann das sogenannte "Vater-Unser".
Es gibt wohl kaum jemanden, der dieses Gebet nicht kennt.
Gerade deshalb habe ich die Herausforderung dieser Woche, das Gebet einmal in der Ich-Form zu sagen/schreiben, als besonders wertvoll empfunden. Denn dadurch wird sich noch einmal tiefer mit dem Text auseinandergesetzt und es wirkt dem "plappern" auch entgegen. 
Das "Vater-Unser" ist in der heutigen Christenheit das Gebet schlechthin für fast jede Situation. Interessant ist aber, dass wir dieses Gebet in der Wortformulierung nur einmal hier in Matthäus 6 finden, in Lukas 11 sind nur einige Bitten daraus aufgeführt, aber in den vielen Gebeten in den Evangelien und auch in den Briefen wird dieses Gebet nicht einmal mehr gesprochen.
So könnte es den Schluss nahelegen, dass es nicht unbedingt ein Mustergebet in der Wort-für-Wort Übernahme sein sollte, sondern eher ein so-in-dieser-Art-ungefähr Gebet.



 Ich habe nun einmal einige Punkte herausgesucht, die ich für (m)ein Gebet wichtig finde.

"unser Vater" - ich darf Gott, der mich durch Jesus Christus errettet hat, meinen Vater nennen. Es zeigt eine Beziehung zwischen Gott, meinem Vater, und mir an. So darf ich jedes Gebet direkt mit meinem Vater im Himmel beginnen.

"dein Wille geschehe" - ich nehme alles aus Gottes Hand. Mein Leben habe ich IHM anvertraut und so darf ich die Gewissheit haben, dass Gottes Wille geschieht und darf (sollte) es auch zulassen.

"unser nötiges Brot gib uns heute" - das betrifft meine ganz persönlichen Bedürfniss, Sorgen und Nöte. Alles kann und darf ich Gott sagen und ihm anvertrauen - er wird dafür Sorge tragen, dass es mir an nichts mangelt.

"und vergib uns unsere Schuld" - meine Schuld ist mir vergeben, diese Gewissheit habe ich. Aber ich darf mir im Gebet immer wieder vor Augen führen, dass der Herr Jesus meine Schuld auf sich genommen hat und dafür bin ich dankbar, was ich im Gebet auch als Dank Gott sage. Gleichzeitig darf oder kann ich weiterhin um Vergebung bitten für meine vielen Unzulänglichkeiten im alltäglichen Leben, wo ich doch leider immer wieder auch sündige.

"und führe uns nicht in Versuchung" - ich glaube nicht, dass Gott uns extra in Versuchung führt, aber ich lebe in einer Welt, die voller Versuchungen ist und da kann ich in meinem Gebet um Bewahrung bitten, dass ich diesen Versuchungen nicht verfalle.

Wie gesagt, es sind nur ein paar Punkte und mit Sicherheit nicht theologisch voll ausgereift ;-)

Zum Abschluss dieser Verse führt Jesus noch einen Punkt an, der im Gebet schon vorkam, aber nun noch einmal hervorgehoben wird. Die Vergebung. Dabei geht es hier nicht ausschließlich um die Vergebung meiner Sünden, sondern darum, dass ich anderen vergeben soll. 
Für mich ist das auch immer wieder ein schwieriges Thema, denn es ist schon ein bisschen entgegen des natürlichen Menschen. Vergeben beinhaltet auch nicht nachtragend zu sein. Vergeben - nicht mehr daran denken. 
Mir hilft dann oft der Gedanke, dass Gott mir alles, wirklich alle meine Schuld und Sünde vergeben hat und mir in seinem Wort versprochen hat, der Sünde nie mehr zu gedenken, sie ist an die tiefste Stelle im Meer versenkt worden.
Dieser große Gott, der so viel Macht hat, er hat mir verziehen und zwar alles und ich kleiner Mensch stelle mich oft so an, wenn es darum geht anderen zu verzeihen. Ein Gedanke, der mich nachdenklich werden lässt und ich wünsche mir sehr, besser verzeihen zu können und auch dann nicht mehr nachtragend zu sein. Auch dieses darf ich in Gottes Hände legen und ich bin gewiss, dass es mir mit Gottes Hilfe immer besser gelingen wird.

In diesem Sinne wünsche ich euch noch eine schöne Restwoche.


 eure
Harmony 

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